Dienstag, 12. April 2016

Wie ich Professor wurde

Hier in Chiclana oder soll ich sagen in Spanien oder überhaupt als Deutscher im Ausland passieren einem schon komische Sachen.

Als ich hierher kam und weder von der Sprache, noch von sonst irgendetwas Hiesigem eine Ahnung hatte, suchte ich mein Heil in der Kontaktaufnahme zu dem ortsansässigen deutschen Verein.
Ich musste meine Mitgliedschaft anmelden und schrieb in ein Formblatt meinen vollständigen Namen. Dazu muss man wissen, dass ich vor ungefähr einer Million Jahren einmal einen akademischen Grad an einer deutschen Universität erworben habe. Der steht in meinen Ausweisen und gehört seitdem zu meinem Namen.

In Deutschland legt man in gewissen Kreisen noch viel Wert auf so etwas und ich war es aus meiner Berufstätigkeit gewöhnt (auch) damit angeredet zu werden.
Kurz und gut, ich schrieb auch diesen Titel auf meine Anmeldung, weil ich noch nicht wusste, dass dies in Spanien völlig unüblich ist.


Ich hatte nebenbei erzählt, dass ich 30 Jahre lang Lehrer am Gymnasium war, und so wurde ich schon beim nächsten Vereinstreffen (Achtung!) mit "Herr Professor" oder nur "Professor" angeredet. Selbstverständlich wehrte ich mich sogleich mit Händen und Füßen gegen die unverdiente akademische Beförderung, aber sie ließ sich nicht mehr einfangen.


Ich wusste damals vieles noch nicht, z.B. dass genau wie im Französischen, das ich gelernt hatte, Professor (Professeur) schlicht "Lehrer" bedeutet und deshalb auch an Schulen benutzt wird.

Aber die Verwirrung ging weiter. Meine Episode mit dem deutschen Verein ging rasch zu Ende und ich konnte den bildungsfernen Menschen dort leider nicht den Unterschied zwischen einem deutschen und einem spanischen Professor klar machen. Erschwerend kam hinzu, dass der Professor auch in Spanien an Universitäten und Hochschulen so genannt wird. Und schließlich ist er auch in Deutschland "nur" ein Lehrer seiner Studenten, von der Forschung einmal abgesehen.

Inzwischen weiß ich über die Bedeutung des Wortes "Professor" in Spanien bestens Bescheid, aber das Durcheinander hält an. Erst kürzlich musste ich wieder zwei Damen, einer Spanierin und einer Engländerin, auf Nachfrage erklären, was es mit dem "Professor" auf sich hat. Und sie antworteten erleichtert: " Und wir dachten, du wärst irgendwas Höhergestelltes."

Ich war einmal ein Lehrer und mit meiner gesamten Bescheidenheit wäre ich nie auf die Idee gekommen,  mich irgendwo "Professor" zu nennen.

Aber ich habe einen akademischen Grad erworben, der mich ein Leben lang als Teil meines Namens begleitet. Und ich muss sagen, ich bin stolz darauf,, weil das ja nicht so richtig viele schaffen.

Und dennoch, mein Freund Antonio zieht mich immer wieder damit auf, indem er mich mit "Hola! Professor!" begrüßt.





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